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Was ein erfolgreicher Affiliate wissen muss

In diesem Artikel gebe ich Antworten auf die wichtigsten Fragen im Affiliate-Marketing.

Eigene Fragen und Anmerkungen unterhalb des Artikels im Kommentarfeld hinterlassen.​

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Begriffserklärung: Merchant und Affiliate

​Merchant:

Als Merchant wird der Anbieter eines Partnerprogramms bezeichnet.

Affiliate:

Als Affiliate wird derjenige bezeichnet, der auf seiner Webseite Werbung in Form von Bannern und Textlinks schaltet, und dadurch Provisionen zu verdienen.

Benötigt man als Affiliate eine eigene Webseite?

Kurze Antwort: Nein.

Lange Antwort:

Die meisten Partnerprogramm-Netzwerke setzen eine eigene Webseite inkl. Impressum voraus. Teilweise ist es erforderlich, dass man die Webseite aus Deutschland aus betreibt. Die eigene Webseite muss auch Inhalte aufweisen. Mit „Baustellen“-Webseiten braucht man sich garnicht erst bewerben.

Andere Regelungen kann es bei Firmen geben, die ein direktes, eigenes Partnerprogramm anbieten. Hier ist es oft auch möglich, dass man ohne Angabe einer Webseite loslegen kann, in dem man z. B. Werbung bei Facebook oder Adwords schaltet.

Welche Voraussetzung muss eine Webseite erfüllen, damit man Affiliate-Marketing betreiben darf?

Die meisten Partnerprogramme-Betreiber setzen ein ordnungsgemäßes Impressum voraus. Ein paar wenige, besondere Themenkategorien, wie z. B. Rechtsextremismus oder pornografische Inhalte, sind verboten.

Man sollte seine Webseite mit Inhalten füllen und für erste Besucher sorgen, bevor man sich als Affiliate für ein Partnerprogramm bewirbt. Leere Webseiten oder Baustellenseiten werden abgelehnt.

Wie strukturiere ich eine Affiliate Seite?

Du führst deine Leser vom allgemeinen zum speziellen. Dazu benötigst Du Informationsseiten, die das Thema abdecken.

Daneben erstellst Du zielgerichtete Seiten, die auf Produktempfehlungen ausgerichtet sind.

Von den allgemeinen Seiten führst Du die Leser über Links zu zielgerichteteren Seiten, die dann abschließend für die Konversion sorgen. Das kann z. B. eine Tabelle sein, in der verschiedene ähnliche Produkte präsentiert werden.

Deine Aufgabe als Affiliate ist nicht, zu verkaufen, sondern die Produktinformationen zu ergänzen und dem Leser bspw. die Funktionsweise, Vor- und Nachteile und Erfahrungen mit dem jeweiligen Produkt zu erläutern.

Stell es Dir wie in einem Ladengeschäft vor. Der Besucher informiert sich, wenn er etwas bestimmtes machen will. Diese Informationsübermittlung übernimmst Du mit Deiner Affiliate-Seite. Danach entscheidet der Besucher, ob er kauft oder wieder geht.

Erstelle rund um deine werbenden Inhalte hilfreiche Inhalte. Das hilft dir, eine bessere Positionierung in den Suchmaschinen zu erreichen und Deine Webseite macht einen vertrauenswürdigeren Eindruck.

Benötigt man ein Gewerbe in Deutschland?

Ich beziehe mich hier auf Deutschland:

Ja, und zwar auch dann, wenn man nur Werbung schaltet, aber bisher noch keine Einnahmen erzielt hat. "Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen über das Internet" würde ich als Gewerbebezeichnung wählen. So bleibt man flexibel, ob man irgendwann später eigene Produkte verkauft.

Dieses FAQ ersetzt keine rechtliche Beratung. Je nachdem, in welchem Land man lebt, gibt es unterschiedliche, rechtliche Regelungen.

Welche Partnerprogramme gibt es?

Es gibt mehrere tausend verschiedene Partnerprogramme.

Es gibt Partnerprogramm-Netzwerke:

Darüber lassen große Firmen wie Microsoft, Apple, Zalando oder Sixt ihr komplettes Partnerprogramm abwickeln.

Es gibt Vertriebsplattformen, über die Produkte verkauft werden und für die es auch Partnerprogramme gibt:

Und dann gibt es noch Unternehmen, die ihr eigenes Partnerprogramm betreiben:

Man findest die Partnerprogramme, wenn man auf der Firmenwebseite ganz unten nach Texten wie "Partnerprogramm", "Affiliateprogramm" oder "Affiliates" Ausschau hält.

Wie meldet man sich für ein Partnerprogramm an?

Es gibt Webseiten, die ein eigenes Partnerprogramm ohne die großen Netzwerke wie Zanox, Affili.net, Belboon oder Superclix betreiben.

Bei diesen Webseiten klickt man (meist am unteren Ende der Webseite) auf einen Link der „Für Webmaster“ oder „Partnerprogramm“ lautet und meldet sich mit seinen persönlichen Daten und dem Namen seiner Webseite an.

Meistens wird man sofort freigeschaltet und kann dann ab sofort als Affiliate-Marketer für diese Webseite tätig sein.

Anders ist es bei den Partnerprogramm-Netzwerken wie Zanox oder Belboon. Bei diesen meldet man sich an und kann sich nach der Anmeldung für verschiedene Partnerprogramme bewerben.

Wird die Bewerbung angenommen, kann man ab diesem Zeitpunkt als Affiliate Werbung für die jeweiligen Anbieter machen und erhält im Erfolgsfall seine Provision.

Wie wird man bezahlt?

Es gibt 3 Vergütungsformen:

1

PPS / CPS

Pay per Sale
Cost per Sale

2

PPL / CPL

Pay per Lead
Cost per Lead

3

PPC / CPC

Pay per Click
Cost per Click

1

PPS:
Die Bezahlung pro generierten Verkauf

Man schickt Besucher über seinen Werbelink auf eine fremde Webseite, für die man als Affiliate wirbt.

Kauft der Besucher dann das Produkt, erhält man dafür eine Provision.

Bei physischen Produkten zwischen
1% und 20% vom Nettokaufpreis.

Bei digitalen Produkten zwischen
30% und 75% vom Nettopreis.

2

PPL:
Die Bezahlung pro erzielter Eintragung in ein vorgesehenes Formular.

Hierbei schickt man die Besucher seiner Webseite über einen Werbelink auf die fremde Seite.

Trägt sich der Besucher dann mit seinen Kontaktdaten auf der Webseite ein oder schließt eine Testmitgliedschaft ab, erhält man dafür eine Provision.

Die Provision liegt zwischen 10 Cent und 5,00 Euro.

3

PPC:
Die Bezahlung pro Klick auf das eingeblendete Werbemittel

Es ist die am seltensten gewählte Vergütungsform im Affiliate-Marketing.

Die Vergütung liegt hier zwischen 0,05 und 0,30 Euro pro Klick.

Eine Alternative zur Vergütungsform pro Klick ist die Teilnahme am Google Adsense Programm.

Kurze Info zu Google Adsense:

Mit Google Adsense platziert man Werbeflächen von Google auf seiner Webseite. Auf diesen Werbeflächen blendet Google dann themenrelevante Werbung ein.

Klickt ein Besucher der Webseite dann auf den Werbelink, erhält man eine Vergütung für den Klick darauf.

Die Vergütung pro Klick liegt im Normalfall zwischen 0,10 und 3,00 Euro. (je nach Themengebiet können es auch 0,01 Euro oder 8,00 Euro sein).

Wann erhält man sein Geld ausbezahlt?

  • Bei Partnerprogramm-Netzwerken muss man in der Regel 60 Tage warten, bis man sich die Provision auszahlen lassen kann.
  • Bei firmen-eigenen Partnerprogrammen erfolgt die Auszahlung schneller, meist monatlich.
  • Häufig gibt es Auszahlungslimits. Es liegt bei 50 Euro oder mehr.
  • Die Auszahlung der Provisionen erfolgt normalerweise per Banküberweisung. Teilweise auch per Paypal - bei manchen Anbietern nur über Paypal - oder per Scheck.

Warum werden Provisionen storniert?

Das passiert dann, wenn man zwar einen Produktverkauf erzielt hat, derjenige dann aber nicht bezahlt hat, die Ware zurückschickt oder von seinem Widerrufsrecht Gebrauch macht.

Auch falls man selbst auf Werbemittel klickt oder auf der fremden Webseite Fake-Anmeldungen durchführt, um regelwidrig an Provisionen zu kommen, kann die Provision storniert werden.

Ich rate davon ab, Betrugsversuche zu starten. Die Anbieter bemerken es leicht. Man wird vom Partnerprogramm ausgeschlossen und alle noch offenen Provisionen werden storniert.

Lohnen sich Partnerprogramme mit Provisionen von 200 Euro (+) je Verkauf?

In der Regel nicht.

Je höher die Provisionen, desto schwieriger ist auch der Verkauf. Häufig bieten z. B. Mobilfunkbetreiber solche hohe Provisionen für die Vermittlung von 2-Jahresverträgen.

Warum ist die Provision dafür so hoch?

Weil es sehr schwierig ist, jemanden für einen solchen Vertrag zu gewinnen. Die meisten haben schon einen Handyvertrag, verlängern ihn regelmäßig oder bleiben bei Prepaid-Angeboten.

Merke:

Es zählt nicht die Höhe der Provision, sondern die Höhe der Provision je 100 Besucher, die man auf eine fremde Webseite geleitet hat.​

Die untere Rechnung erläutert die Richtigkeit dieser Aussage:

↓ Ablauf

Prepaidvertrag

günstiger Vertrag

teurer Vertrag

Klicks auf das Werbemittel

1.000

1.000

1.000

Provision je Verkauf

10,00 €

35,00 €

150,00 €

Conversionrate

15%

3,5%

0,5%

Verdiente Provision

1500,00 €

1.225,00 €

750,00 €

Provision je 100 Besucher

150,00

122,50 €

75,00

Einnahmen pro Klick

1,50 €

1,23 €

0,75 €

Die Vermittlung des Prepaidvertrags bringt auf den ersten Blick weniger Geld ein als einer der beiden Verträge. Unter'm Strich sorgen die höheren Conversionraten dafür, dass die Einnahmen pro Klick für das günstigste Angebot dennoch am höchsten ausfallen.

In der Praxis fällt der Unterschied noch größer aus, da mehr Leute sich ein günstiges Angebot ansehen werden, als ein teures.

Welche Werbemittel sind am effektivsten?

Die laut Google effektivsten Bannerformate

Die 4 effektivsten Bannerformate

728x90, 336x280, 300x250 und 160x600 (Quelle)

Die Vor- und Nachteile von Bannern und Textlinks

Banner
  • Hohe Aufmerksamkeit
  • Teils unpassendes Design
  • Keine Größenanpassung
  • Bannerblindheit und Adblocker
Textlinks
  • Überall einsetzbar
  • Individualisierbar
  • Akzeptiert bei den Besuchern
  • Unauffällig*

* Damit die Besucher Werbelinks besser von normalen Links unterscheiden zu können, kann man Affiliatelinks mit einem (*) am Ende markieren und im Footer der Webseite darauf hinweisen, dass es sich um Affiliatelinks handelt.

Messen und Kontrollieren

Welche Werbemittel für eine Webseite am effektivsten sind, muss man selbst messen:

  • Wie oft wurde das Werbemittel angezeigt?

    Ist diese Statistik nicht verfügbar, kann man sich an den Seitenaufrufen von Google Analytics orientieren.
  • Wie oft wurde darauf geklickt?

    Die Klickrate kann man messen, indem man Werbelinks nicht direkt verlinkt, sondern über einen internen Link leitet, der die Klicks aufzeichnet.
    Für WordPress gibt es dafür z. B. das Plugin PrettyLink.
  • Welche Conversion wurde erzielt?

    Diesen Wert kann man anhand der Verkaufszahlen ermitteln, die in den Partnerprogramm-Statistiken angezeigt werden.

Beispiel für die Berechnung der Effektivität eines Banners

↓ Werte

Banner mit viel Text

Banner mit Bild

Banneraufrufe pro Monat

10.000

10.000

Banner-Klicks pro Monat

300 Klicks

400 Klicks

Klickrate

3%

4%

Provision pro Verkauf

20,00 €

20,00 €

Conversionrate

5%

5%

Erzielte Verkäufe

15 Verkäufe

20 Verkäufe

Verdiente Provision

300,00 €

400,00 €

Provision je 100 Besucher

100,00 €

100,00 €

Einnahmen pro Klick

1,00 €

1,00 €

In dieser Auswertung unterscheiden sich nur die Klickzahlen voneinander. In der Praxis können die Conversionrates voneinander abweichen, was die Einnahmen pro Klick verändert.

Darf man eigene, selbst erstellte Werbemittel verwenden?

Ja, das ist erlaubt, solange man sich an die Regeln des Partnerprogramms hält.

Wann sich eigene Werbemittel besonders eignen:

  • Wenn der Betreiber des Partnerprogramms keine Werbemittel zur Verfügung stellt.
  • Wenn die eigene Webseite eine Zielgruppe hat, für die die verfügbaren Werbemittel nicht in Frage kommen.
  • Zur Verfügung gestellte Werbemittel sind meist getestet und conversionoptimiert. Man sollte sie bevorzugt nutzen und im Zweifelfall nachfragen, ob sie getestet wurden und für welche Zielgruppe sie erstellt wurden.

Lohnt sich Pay-per-Click Werbung für Affiliate-Produkte bei Adwords, Bing und Facebook?

Es kommt darauf an: Man muss wieder selbst nachrechnen.

Beispiel:

Nehmen wir als Beispiel ein Produkt mit einer Verkaufsprovision von 30,00 Euro.

↓ Werte

Adwords

Bing

Facebook

Provision pro Verkauf

30,00 €

30,00 €

30,00 €

Conversionrate

3%

2%

7%

Einnahmen je 100 Besucher

90,00 €

60,00 €

210,00 €

Einnahmen pro Klick

0,90 €

0,60 €

2,10 €

Auswertung:

  • Die Adwords-Kampagne bringt bis zu einem Klickpreis von 90 Cent einen Gewinn.
  • Die Bing-Kampagne ist nur bis zu einem Klickpreis von 60 Cent profitabel.
  • Bei Facebook hingegen ist selbst ein Klickpreis von über 2 Euro noch profitabel.

Sind die Einnahmen pro Klick höher als die Ausgaben, lohnt sich die Anzeigenschaltung. Je höher die Differenz (Werbeeinnahmen - Werbeausgaben) ausfällt, umso mehr Gewinn macht man.

Bei verlustbringenden Anzeige-Tests sollte man den Anzeigetext verändern, andere Keywords bzw. eine andere Zielgruppe auswählen und es nochmal probieren.

Ist es sinnvoll, Affiliate-Marketing und E-Mail-Marketing miteinander zu kombinieren?

Ja. Man leitet die Besucher dann nicht mehr direkt auf ein fremdes Angebot, sondern holt sich über eine Squeeze-Page (zu deutsch: eine Seite, die nur dazu dient, an die E-Mail-Adresse des Interessenten zu kommen) zuerst von ihnen die E-Mail-Adresse, bevor man sie auf das Angebot weiterleitet.

Damit sich auch jemand einträgt, muss man sich etwas überlegen, woran die Zielgruppe Interesse hat. Ein E-Book, einen E-Mail-Kurs, eine Audioaufzeichnung oder ein Video. Sonst gibt es keinen Grund dafür, sich per E-Mail einzutragen.

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  • Updated 3. August 2017
Matthias Szilagyi
 

Matthias Szilagyi ist Onlinemarketer. Es macht ihm Spaß, Produkte zu bewerben sowie Wissen und Erfahrungen weiterzugeben. Das ganze nebenberuflich und stressfrei.